Meiner
Auffassung nach setzt die herrschende Politik bei der Definition der Bedrohungen
die Prioritaeten falsch. Wir werden weder von einem anderen Staat bedroht, noch
ist der nicht-staatliche Terror so gefaehrlich, wie die herrschende Politik
immer wieder behauptet.
Wenn wir
die ökologischen Bedrohungen als oberste Priorität behandeln, werden die Folgen
für die nächste Generation unabsehbar sein.
Die
globale Erwärmug
Die Temperatur
der Erde hat sich seit Beginn der Industrialisierung um fast 1°C erhöht.
Die Folgen dieser Entwicklung zeigt die neue Dokumentation "Eine unbequeme
Wahrheit" mit Al Gore, ehemaliger Vize-Präsident der Vereinigten Staaten.
Dazu gehören die Zunahme von Wetterextremen und starken Hurrikans, die
fortschreitende Eisschmelze in den Polargebieten und ein Anstieg des Meeresspiegels.
Im Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft" untersuchen Wissenschaftler
unterschiedlicher Fachrichtungen wichtige Fragen zum globalen Klimawandel unter
besonderer Berücksichtigung der Weltmeere.
Der Mensch
hat durch den Ausstoß klimarelevanter Spurengase wie Kohlendioxid und
Methan maßgeblich zur globalen Erwärmung beigetragen. Nach Berechnungen
des Kieler Klimamodells ist eine weitere Erderwärmung um bis zu 5°C bis
2100 möglich, falls der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid sich in
den kommenden Jahrzehnten wie bisher fortsetzt. Eine der womöglich folgenreichsten
Konsequenzen ist der Anstieg des Meeresspiegels, der bis 2100 etwa einen Meter
erreichen könnte.
(Quelle: Kieler Forschernetzwerk untersucht die Folgen der Erderwärmung
Mona Botros, Pressestelle,08.10.2006,
Leibniz-Institut
für Meereswissenschaften, Kiel)
Am
26. April 1986 explodierte Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl.
Von der Katastrophe besonders betroffen sind die Ukraine mit 15 Prozent und
Belarus mit 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge. Prof. Dr. Edmund
Lengfelder, Otto Hug Strahleninstitut und Universität München, hält
es für eine realistische Schätzung, dass bis heute insgesamt etwa
70 000 Menschen in der Folge von Tschernobyl gestorben sind. Dominierend sind
Schilddrüsenerkrankungen und Schilddrüsenkrebs. Auch Brust-, Lungen-,
Magen-, Haut- und Prostatakrebs haben seit Tschernobyl drastisch zugenommen.
Auch in westlichen Ländern wie in Deutschland hatte Tschernobyl drastische
Folgen. Allein in Deutschland starben vermutlich mehrere hundert Kinder vor,
während oder nach der Geburt.
ATOMENERGIE IST NICHT SICHER!
Bereits durch den Normalbetrieb von Atomanlagen (d.h. wenn für die Betreiber
alles nach Plan läuft) werden Mensch und Umwelt geschädigt: durch
radioaktive Emissionen. Mehrfach wurde nachgewiesen, dass in der Umgebung von
Atomkraftwerken und Wiederaufarbeitungsanlagen die Leukämierate bei Kindern
erhöht ist - was von den Hofgutachtern der Atomindustrie immer noch bestritten
wird. Störfälle ereignen sich permanent.
Die Gefahren
nehmen zu - Risiko für einen Super-GAU in Europa bei 16 Prozent
Nach der offiziellen "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke
- Phase B" von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit kommt es in
einem deutschen Atomkraftwerk bei einer Betriebszeit von rund 40 Jahren mit
einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent zum Super-GAU. In der Europäischen
Union sind mehr als 150 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit für
einen Super-GAU in Europa liegt somit bei 16 Prozent. Das entspricht der Wahrscheinlichkeit,
beim Würfeln auf Anhieb eine 6 zu bekommen.
Weltweit sind etwa 440 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit, dass
es weltweit in 40 Jahren zu einem Super-GAU kommt, liegt bei 40 Prozent.
"Das Risiko für einen Super-GAU nimmt ständig zu", sagte
IPPNW-Atomenergieexperte Henrik Paulitz. "Ebenso wie ein Auto im Laufe
der Jahre so seine Macken bekommt und irgendwann liegen bleibt, häufen
sich auch in den alternden Atomkraftwerken die Ausfälle sicherheitsrelevanter
Komponenten. Die Rohrleitungen und Armaturen der deutschen Atomkraftwerke sind
seit 20-30 Jahren extrem hohen Drücken, Temperaturen und der radioaktiven
Strahlung ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in den Schweißnähten
zu gefährlichen Rissen kommt, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Schon ein kleines
Leck in einer Schweißnaht kann zum Super-GAU führen."
Eine weitere Gefährdung ist, dass das Reaktorarsenal altert.
Seit der
nichtstaatliche Terrorismus Atomkraftwerke in seine Zielplanung aufgenommen
hat, hat sich das Risiko eines GAUs um ein mehrfaches erhöht. Kein AKW
der Welt würde den Angriff mit einem Passagierflugzeug überstehen.
Und in Deutschland gibt es immer wieder Versuche der Stromwirtschaft, ausgerechnet
die unsichersten und am wenigsten geschützte Atomkraftwerke länger
zu betreiben, als nach dem Atomkonsens vorgesehen. Zum Beispiel die beiden Reaktorblöcke
in Biblis, die vom verkehrsreichsten deutschen Flughafen Frankfurt nur wenige
Flugminuten entfernt sind.
ATOMENERGIE IST NICHT FRIEDLICH!
Eine tödliche Technologie ist nicht friedlich. Beim Betrieb von Atomkraftwerken
entsteht Plutonium, welches zur Herstellung von Atombomben verwendet wird. In
den sog. Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (England)
wird das Plutonium aus den abgebrannten Brennelementen gewonnen. Inzwischen
lagern dort mehrere hundert Tonnen Plutonium, ein großer Teil davon aus
deutschen Atomkraftwerken.
Auch
in Deutschland wird mit atomwaffenfähigem Material gearbeitet. Im „Forschungsreaktor"
Garching bei München soll hochangereichertes Uran eingesetzt werden, welches
auch zum Bau von Atombomben taugt. Im Jugoslawien-Krieg und vermutlich auch
an anderer Stelle wurden Sprengköpfe aus abgereichertem Uran eingesetzt,
ein Abfallprodukt aus der Urananreicherung. Eine Urananreicherungsanlage (UAA)
gibt es auch hier in der BRD: in Gronau (NRW).
Vor
diesem Hintergrund fordere ich:
- Sofortige
Stilllegung aller Atomanlagen
- Zügiger Ausbau der regenerativen
Energien aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme
MEIN EIGENES ENGAGEMENT FÜR EINE GRÜNE ZUKUNFT
Zusammen mit Dagmar und Rainer
Ossig und Reinhold Chmielewski gründete ich 1990 den Verein „Die Kinder
von Tschernobyl, Mönchengladbach e.V.“. In den gut 15 Jahren unserer Geschichte
haben wir mehreren hundert belarussischen Kindern die Möglichkeit gegeben,
in Mönchengladbach Urlaub zu machen, vielen Kindern haben wir eine medizinische
Behandlung ermöglicht, Angehörigen von kranken und verstorbenen Kindern
geholfen.
Als freier
Journalist habe ich in zahlreichen Veröffentlichungen u.a. in taz, Friedensforum,
Publik-Forum, auf die Gefahren der Atomenergie hingewiesen.
Die internationale
Atomwirtschaft arbeitet in einer Weise zusammen, die ich beängstigend finde.
Deutscher Atommüll wird von dem nordrheinwestfälischen Gronau direkt
in die am Ural gelegene Stadt Nowouralsk exportiert. Das pikante an diesem Deal:
Nowouralsk ist eine geschlossene Stadt. Die deutsche Atomwirtschaft kann sich
so sicher sein, daß in der Zusammenarbeit mit dieser poststalinistischen
Struktur nichts an die Öffentlichkeit dringen wird, sollte es einmal vor
Ort zu einem Unfall kommen. Es ist mir besonders wichtig, auf diesen Skandal
aufmerksam zu machen.
Auf meine
Initiative hat sich die WASG von NRW dazu entschlossen, eine Städtepartnerschaft
zwischen Gronau und Nowouralsk zu fordern.
In enger
Zusammenarbeit mit russischen Umweltschützern, wie Grigorij Pasko, Natalja
Mironowa u.a. habe ich auf die Gefahren der Kooperation von westlicher und östlicher
Atomwirtschaft hingewiesen.
1994 habe
ich für die Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew (Ukiraine) eine Konferenz
organisiert, die die internationale Zusammenarbeit von Anti-AKW-Gruppen stärken
sollte.
1995 lud
ich die russische Umweltschützerin Alla Jaroschinskaja nach Deutschland
ein. Alla Jaroschinskaja hatte 1992 für ihre mutigen Recherchen zur Tschernobyl-Katastrophe
den alternativen Nobelpreis erhalten. Die Atomkraftgegnerin hatte heimlich die
geheimen Protokolle des Politbüros zu den Tschernobyl-Ereignissen kopiert
und anschließend veröffentlicht.
Als Siemens
2003 den Export einer Brennelemente-Fabrik von Hanau nach China plante, lud
ich in Zusammenarbeit mit der Marion Dönhoff Stiftung die russische Atomkratgegnerin
Natalja Mironowa nach Deutschland ein, wo sie sich aktiv in die Kampagne gegen
diesen ‚Verkauf einmischte. Dass dieser Deal dann geplatzt ist, hat sicherlich
auch am Einsatz von Natalja Mironwa gelegen.
Seit 2004
lud ich mehrmals, und in Zusammenarbeit mit der Marion Dönhoff Stiftung,
den russischen Umweltjournalisten Grigorij Pasko nach Deutschland ein.Hier traf
er sich mit Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, sprach im Fernsehen und in der
Öffentlichkeit über die Gefahren der deutschen Atommüllexporte.
Siehe
auch: Meine Partner Grigorij Pasko, Natalja Mironowa.