Bernhard Clasen

• BERNHARD CLASEN •
Russland

                                                      Kooperation mit Umweltgruppen, Friedens- und Menschenrechtsorganisationen

Wie sehr haben sich doch die Zeiten geändert: wollten wir noch während des Kalten Krieges einen Dialog der Herrschenden, sehen wir heute mit Skepsis, wie gut sich Ex-Kanzler Schröder und Präsident Putin verstehen. Allzu gerne wüssten wir nur, was da so alles bei gemeinsamen Schlittenfahrten und Saunabesuchen ausgehandelt worden ist.

Bereits Helmut Kohl hatte es abgelehnt, seinen „Freund“ Jelzin wegen dessen Bombardierung Tschetscheniens zu kritisieren.

Spätestens seit dem 11. September 2001 sind sie eine Mannschaft: Putin, Bush & Schröder/Merkel. Gemeinsam schieben sie sich die Bälle zu, wenn es im Kampf gegen den nichtstaatlichen Terror darum geht, die eigene Macht zu sichern und Freiheiten einzuschränken. Schröder hat Putin einen „lupenreinen Demokraten“ genannt, die russische Regierung lässt westlichen Staaten weitgehend freie Hand in Afghanistan und im Irak.

Die westliche Atomindustrie hält die russische Atomindustrie mit satten Finanzspritzen am Leben – vorbei an russischen Umweltschützern, die sich gegen die geplante Privatisierung von Atomkraftwerken, schwimmende AKWs, für Energiesparmaßnahmen und alternative Energie einsetzen.

Direkt aus dem nordrheinwestfälischen Gronau wird Atommüll in die geschlossene Stadt Nowouralsk exportiert. Geschlossene Städte in Russland sind eine poststalinistische Struktur, die Städte sind mit Stacheldraht umzäunt, auch russische Staatsbürger erhalten nur nach Genehmigung Zutritt zu dieser Stadt. Man kann so bei der Atomwirtschaft beruhigt sein: sollte es mit dem deutschen Atommüll in Nowouralsk jemals zu einem Unfall kommen, wird man im fernen Deutschland wahrscheinlich nie etwas von diesem Skandal erfahren.

Gleichzeitig werden überall die Sozialleistungen gestrichen – in Ost und West. Dass im März 2006 in Russland 800.000 Menschen gegen den Abbau der Sozialleistungen auf die Strasse gingen, Rentner und Invaliden Kreuzungen blockierten, wird in der westlichen Presse überhaupt nicht berichtet.

Doch ganz unten gibt es auch eine andere Zusammenarbeit. Deutsche und russische Menschenrechtsorganisationen kämpfen gemeinsam gegen die Abschiebung von Flüchtlingen aus Deutschland, gegen Rassismus in Ost und West. Umweltaktivisten überlegen gemeinsam, wie ein Ausstieg aus der Atomtechnologie in Ost- und West möglich ist. Und Umweltschützer aus Tscheljabinsk informieren deutsche Umweltaktivisten, wie Gelder der westlichen Atomindustrie am Ural in korrupten Kanälen versickern.


                                                                  Meine Reisen nach Russland

Seit 1986 reise ich jedes Jahr nach Russland, suche den Kontakt mit Menschen aus der Zivilgesellschaft, die sich für Ökologie, Menschenrechte, Flüchtlinge und gegen den Abbau der Sozialleistungen einsetzen.

Mehrmals reiste ich als Mitglied von Delegationen der Partei „Bündnis90/Die Grünen“ nach Russland. U.a. war ich mit den grünen Politikern Helmut Lippelt, Elisabeth Schroedter, Wolfgang Ullmann, Gerd Poppe in Moskau, Wolgograd, Inguschetien.


                                                                  Meine Schwerpunkte in meiner Russland-Arbeit

Umwelt:
Spätestens seit Tschernobyl wissen wir: was in Russland passiert, geht auch uns an.

Am 9.Juni 2006 (Quelle: lenta.ru) traf sich Wladimir Putin mit Spitzenkräften aus militärischer Atomwirtschaft und Energiewirtschaft. Bei dieser Versammlung forderte Putin, den Anteil der Atomenergie bei der Stromversorgung auf 25 Prozent zu steigern. Und der Chef der Föderalen Agentur für Atomenergie (Rosatom), Sergej Kirijenko, teilte auf der gleichen Veranstaltung mit, daß man ab 2007 jährlich zwei neue AKW-Blöcke bauen werde, ab 2009-2010 werden es sogar vier bis fünf Blöcke pro Jahr sein. Die russische Atomwirtschaft, so Kirijenko, entwickle sich mit großer Dynamik.

Wie dynamisch sich die Atomwirtschaft entwickelt, zeigen die Pläne der russischen Atomwirtschaft, schwimmende AKW zu bauen. In vier bis fünf Jahren soll der erste schwimmende Mini-Reaktor in der Nähe von Severodinsk im Nordmeer in Betrieb gehen.

Deutsche und russische Atomwirtschaft arbeiten immer enger zusammen. Deutscher Atommüll wird in der geschlossenen Stadt Nowouralsk entsorgt. In diese geschlossene Stadt kommt man als Ausländer nur mit Genehmigung. Bearbeitungszeit: 2 Monate. Aber auch russische Bürger kommen nur mit Genehmigung in die Atomstadt. Gemeinsam tun russische und deutsche Atomwirtschaft alles, um die Abläufe der Atomwirtschaft so geheim wie möglich zu halten.


                                                                  Partnerschaft mit russischen Umweltgruppen

Vor dem Hintergrund dieser ökologischen Bedrohungen müssen wir die Zusammenarbeit mit den Gruppen in Russland ausbauen, die sich für die Umwelt und den Ausstieg aus der Atomwirtschaft einsetzen.

Ich selbst arbeite mit mehreren russischen Umweltaktivisten zusammen, unter ihnen:

Grigorij Pasko (Umweltjournalist), Natalija Mironowa (Bewegung für atomare Sicherheit, Tscheljabinsk), Vladimir Slivjak.

Mit Grigorij Pasko hatte ich mehrere Vortragsreisen durch Deutschland organisiert. Hier sprach Grigorij mit Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, setzte sich für ein Verbot von deutschen Atommülltransporten nach Russland ein.

Als die rot-grüne Regierung Ende 2003 den Export einer Atomfabrik zur Urananreicherung von Hanau nach China plante, organisierte ich einen Besuch der russischen Anti-AKW Aktivistin Natalija Mironowa nach Deutschland. Hier sprach sie sich in Gesprächen mit Politikern, der Presse und bei Vorträgen immer wieder gegen den geplanten Verkauf aus.


                                                                  Flüchtlinge und Menschenrechte

Deutsche Gerichte und russische Politik sind zum großen Teil der Auffassung, daß Flüchtlinge aus Tschetschenien in Russland selbst eine inländische Fluchtalternative haben. D.h. Menschen, die aus Tschetschenien in andere Teile Russland geflohen sind, können sich durchaus in anderen Gebieten Russlands niederlassen, so die Gerichte. In der Konsequenz bedeutet diese Auffassung, daß man tschetschenische Flüchtlinge durchaus aus Deutschland abschieben kann.

Dieser Auffassung der Mehrheit der deutschen Gerichte und der russischen Politik widersprechen deutsche und russische Menschenrechtsgruppen.

Gemeinsam setzen sich deutsche Menschenrechtsgruppen, wie Amnesty International und die russische Menschenrechtsgruppe „Memorial“ für denn Schutz von Flüchtlingen aus Russland ein.

In dieser Frage arbeite ich eng mit „Amnesty International“ und „Memorial“ zusammen.


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