Bernhard Clasen

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Aktuelles

24.8.2007, Dagestan. „Mütter Dagestans“ beenden Hungerstreik.

Am Mittwoch endete der Hungerstreik der „Mütter Dagestans“. Die „Mütter Dagestans“ wollten mit ihrer Aktion auf das spurlose Verschwinden ihrer Söhne und Männer aufmerksam machen. Am letzten Tag des Hungerstreiks hatten sich noch zwei Frauen an der Aktion beteiligt. Nachdem die Machthaber auf die Aktion der Mütter reagiert hätten, so Svetlana Isajewa, Sprecherin der „Mütter Dagestans“, habe man sich entschieden, die Aktion zu beenden. Zuvor hatten die Staatssekretärin Dagestans, Takibat Machmudowa und die Leiterin des Analyse- und Informationszentrums beim dagestanischen Präsidenten, Mijasat Muslimowa, die Hungerstreikenden aufgesucht. Dies berichtet die von der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ gegründete Nachrichtenagentur „Kavkaz Uzel“.

Noch am gleichen Tag hatte der dagestanische Präsident Muchu Aliew in einer eigens anberaumten Sitzung, an der Regierungschef Schamil Zajnalow, der Staatsanwalt der Republik Igor Tkatschew, der stellvertretende Innenminister Magomed Gazimagomedow und der Minister fur Nationalitätenfragen, Information und Au?enbeziehungen, Eduard Urazaew, teilnahmen, über die Verschleppungen gesprochen.

„Dies ist bereits die dritte Sitzung in drei Monaten zu diesem Thema,“ erklärte Präsident Muchu Aliew. „Wir wollen Klarheit bekommen, verhindern, dass es in der Zukunft zu weiteren derartigen Vorfällen kommen wird. Und dafür brauchen wir die ganze Wahrheit über das Vorgefallene“, so der Präsident.

Nach Angaben von Präsident Aliew hätten sich der Regierungschef und der Innenminister in den Räumen der Staatsanwaltschaft mit den Angehörigen der Vermissten getroffen. “Mit der Mutter eines Vermissten, Malikat Gasanowa, habe ich mich persönlich getroffen“ berichtet Präsident Muchu Aliew. „Ich habe den dagestanischen Innenminister Magomedtagirow persönlich beauftragt, die Situation aufzuklären.“.

Nach Angaben des Staatsanwaltes Dagestans wurden laut offizieller Statistik zwischen 1999 bis Mitte 2007 auf dem Territorium der zu Russland gehörenden Republik 75 Menschen von Personen in Kampfuniform entfuhrt. 41 von ihnen überlebten die Verschleppung, vier wurden getötet, 30 Personen sind weiterhin spurlos verschwunden. 650 Frauen, so der dagestanische Staatsanwalt Igor Tkatschew, seien für eine Zwangsheirat entführt worden.

“Wenn sich bei den Ermittlungen herausstellen sollte, dass Mitarbeiter der Rechtsschutzorgane in die Verschleppungen verwickelt sind, werden diese unabhängig von ihrem Status und ihren Verdiensten, entsprechend des Gesetzes bestraft werden“, erklärte der Staatsanwalt.

Der stellvertretende Innenminister Magomed Gazimagomedow bemängelte bei dem Gespräch, dass es keine Datenbank der Vermissten gäbe. Dies würde die Suche erschweren.

Muchu Aliew fragte den stellvertretenden Innenminister, warum das Innenministerium nichts unternommen habe, um die Namen von Mitarbeitern der Strukturen des Innenministeriums zu überprüfen, in deren Gewalt sich nicht Angaben der Verwandten Verschleppte befinden sollen.

“Sie diskreditieren sich selbst und uns“, so Aliew.

Bei der Sitzung erklärte der stellvertretende Chef der Miliz zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, es sei bekannt, dass eine der Organisatorinnen, Gülnara Rustamowa, die Schwester der Frau eines Terroristen sei.

Im Ergebnis der Sitzung wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe zur Suche der Verschleppten einzurichten, an der Beamte des Innenministeriums, des FSB, der Staatsanwaltschaft mitwirken sollten. Auch Journalisten sollten in dieser Arbeitsgruppe mitwirken, so Präsident Muchu Aliew. Dadurch könne deutlich gemacht werden, dass die Machthaber Dagestans tatsächlich etwas für die Suche nach den Verschleppten täten.

Siehe auch:
Mütter Dagestans

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