9.11.2011 - Swetlana Gannuschkina: Entführungen, Gewalt gegen Frauen und Unterdrückung in Tschetschenien
Völlig schutzlos sind Tschetscheniens Frauen der Gewalt in den Familien ausgesetzt. In Tschetschenien, aber auch in anderen Teilen Russlands, könne eine tschetschenische Frau, die von ihrem Mann oder der Familie misshandelt wird, von den Behörden keinen Schutz ihrer Rechte erwarten. Menschenrechtler, die Frauen helfen, männlicher Gewalt zu entkommen, müssen ebenfalls um ihr Leben fürchten. Dies berichtet die russische Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina in ihrem jüngsten Bericht zum Nordkaukasus. Gannuschkina, die seit Dienstag in Deutschland ist, will auch die Behörden in Deutschland überzeugen, tschetschenischen Frauen, die oftmals mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt geflohen sind, einen sicheren Aufenthaltsstatus zu geben.
Die Entführungen von Frauen zu einer Heirat gegen ihren Willen sind in Tschetschenien längst an der Tagesordnung und haben mit einer traditionellen, mitunter gar romantischen Brautentführung nichts zu tun. Keine Frau kann Nein sagen, wenn sie von einem Angehörigen des mächtigen Kadyrow-Clans oder der staatlichen Sicherheitskräfte zu einem Kontakt genötigt werden. Nicht selten, so Gannuschkina, werden dabei intime Details der Begegnung auf Video aufgenommen und der Familie ihres Opfers zugespielt. Nicht selten begehen dann die Brüder oder der Vater der Betroffenen einen „Ehrenmord“ und melden wenig später die Tote als vermisst.
Frauen, die sich gegen den erniedrigenden Kopftuchzwang wehren, sind in Lebensgefahr. Ständig müssen sie fürchten, dass ihr Haus in Schutt und Asche gelegt wird, sie von Männern misshandelt werden.
Der Bericht von Gannuschkina findet sich im Internet unter: