Bernhard Clasen

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Aktuelles

12.5.2011 - Russland:

Waldbrände bedrohen verstrahlte Wälder – erneut Waldschützer bei Moskau vorübergehend verhaftet

Die Behörden der am Ural gelegenen russischen Stadt Osersk, unweit von der Großstadt Tscheljabinsk, warnen vor neuen Waldbrandgefahren und verboten der Bevölkerung in dieser Woche, den Wald zu betreten. Zuvor war bereits den Bewohnern von 11 weiteren Rayons am Ural das Betreten des Waldes verboten worden.

Dies berichtet die im Gebiet Südural erscheinende Internet-Plattform „ura.ru“. Die Nachricht aus Osersk ist aus zwei Gründen pikant: die betroffenen Wälder sind zum Teil radioaktiv verstrahlt. Bei einem Waldbrand dieser Wälder ist davon auszugehen, dass erneut radioaktive Teilchen in die Umwelt gelangen. Gleichzeitig befindet sich in Osersk auch die bekannte Plutoniumfabrik „Majak“.

Zuvor hatte bereits am Montag die russische Sektion von Greenpeace von Waldbränden in radioaktiv verstrahlten Gebieten unweit der Plutoniumfabrik „Majak“ berichtet. 1000 ha Wald, so Greenpeace, seien von den jüngsten Bränden betroffen.
In der Atomfabrik „Majak“ ereignete sich am 29. September 1957 ein radioaktiver Unfall, der neben Tschernobyl und Fukushima zu den tragischsten Nuklearunfällen weltweit gehört.
Buchstäblich in letzter Minute hatten deutsche Umweltgruppen im letzten Jahr einen Transport von hoch radioaktivem Material von Rossendorf in die Plutoniumfabrik am Ural verhindert. Umweltminister Röttgen hatte damals den Transportstopp mit dem Argument begründet, die Wiederaufbereitungsanlage von „Majak“ sei derzeit nicht in Betrieb. Dass das eine glatte Lüge des Ministers war, wissen all die, die seit Jahren gegen diese Wiederaufbereitungsanlage kämpfen.

Russlands Präsident und russische Umweltschützer: auch 2011 katastrophale Waldbrände in Russland zu befürchten

Aus den Lehren der verheerenden Waldbrände in Russland im letzten Jahr wurden kaum Konsequenzen gezogen. An 2000 Orten und auf einer Fläche von 800 ha habe bereits in diesem Jahr in Russland der Wald gebrannt, berichtet das russische Katastrophenministerium laut russischem Service von BBC. Über fünf Tausend Ortschaften könnten im Sommer von Waldbränden bedroht sein.

Präsident Medwedew ist besorgt über die wachsende Waldbrandgefahr. Bereits jetzt beschwerten sich Bewohner der Ortschaft Lytkarino im Gebiet Moskau über den Rauch von Torfbränden, der in den Nächten deutlich spürbar sei. Russlands Regierung und die Verantwortlichen im Gebiet Moskau, so Medwedew laut BBC, träfen nicht die erforderlichen Maßnahmen, um eine Wiederholung der Feuerkatastrophe von 2010 zu verhindern.

Und Alexej Jaroschenko, verantwortlich für die Waldprogramme bei Greenpeace-Russland, beklagt, dass man den Winter ungenutzt habe verstreichen lassen, um sich auf die erneut drohende Feuerkatastrophe vorzubereiten. Bei trockenem Sommerwetter sei eine Wiederholung der Katastrophe unvermeidlich, so Jaroschenko.

Die regelmäßig wiederkehrenden Waldbrände haben verschiedene Ursachen. Zahlreiche Sümpfe sind in den vergangenen hundert Jahren in Russland trockengelegt worden. Doch mit der Trockenlegung stieg auch die Brandgefahr der durch die Trocknung entstandenen riesigen Torfflächen. Diese Torfflächen sind besonders brandgefährdet, entzünden sich häufig ohne Fremdeinwirkung selbst. Deswegen hat Russlands Regierungschef Putin im letzten Herbst eine richtige Entscheidung getroffen, als er entschied, die ehemaligen Sümpfe wieder zu bewässern. Dadurch würde aus Torf wieder Moos, dessen Feuchtigkeit ein guter Schutz vor Bränden wäre. Doch dieser Beschluss ist bis heute nur fragmentarisch umgesetzt. Gerade einmal 9% der zu bewässernden Flächen habe man bis April gewässert, berichtet der in der russischen Regierung für Waldbrandbekämpfung zuständige Vize-Premier Viktor Zubkow der BBC. Der Schnee, der bis Ende März gelegen habe, sei schuld, so Zubkow, dem für die Wässerung von Torfflächen 80 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Auch die weit verbreitete Unsitte, so Grigorij Kuksin von Greenpeace Russland, trockenes Heu einfach auf Feldern zu verbrennen, sei mit für die Waldbrände verantwortlich.

Spätestens seit der Verabschiedung des Gesetzes zum Wald 2006 gibt es in Russland keine flächendeckende ständige Überwachung des Waldes durch Forstleute mehr. Zahlreiche Forststellen waren eingespart worden. Und so erkennt man die Gefahren erst, wenn die Wälder schon brennen.

Experten von Greenpeace Russland sehen 17% des Gebietes Moskau als wald- und torfbrandgefährdet. Bereits im Winter hatten die ersten Torfböden zu glimmen angefangen.

Greenpeace-Aktivisten, die sich im Gebiet Kaluga aufhielten, berichten von mehreren Wald- und Torfbränden dort im April. Das Gebiet Kaluga gilt seit der Tschernobyl-Katastrophe als besonders verstrahlt.

Insgesamt, so Greenpeace Russland, sollte die Bilanz der Waldbrände von 2010 eine Warnung sein: Mehr als 150 Ortschaften waren in unterschiedlicher Schwere im Sommer 2010 Opfer der 30 Tausend Wald- und Torfbrände geworden, ca. 70 Menschen sind den Flammen zum Opfer gefallen, über zweitausend Häuser waren in Flammen aufgegangen. 52 Tausend Menschen waren im Juli und August 2010 mehr gestorben als statistisch zu erwarten gewesen wäre, so die Statistikbehörde „Rosstat“.

Chimki: erneute Verhaftungen.

Unterdessen wurde bekannt, dass in der Nähe des Moskauer Flughafens Scheremetjewo, im Wald von Chimki, am Mittwoch und Donnerstag mehrere Waldschützer, die sich dem geplanten Bau einer Autobahn durch diesen Wald in den Weg stellen, brutal misshandelt und festgenommen worden sind. Unter den Verletzten ist auch die Sprecherin der Waldschützer von Chimki, Jewgenija Tschirikowa. Nach einer Beinverletzung, die ihr bei der Blockade eines Bulldozers vom Fahrzeug zugefügt worden war, darf sie auf Anraten ihrer Ärzte zwei Tage nicht gehen.



  • Greenpeace Russland belegte bereits am 14. Januar 2011 in einem Video, dass Torfböden schon im Winter glimmen können:

  • Photos der Rodungen vom Mittwoch bei Chimki unter:

  • Videos der Auseinandersetzungen Chimki vom Dienstag und Mittwoch um den Wald von unter:

  • und hier:

  • hier filmt eine Umweltschützerin, wie sie am 12. Mai 2011 von Männern der Rodungsfirma tätlich angegriffen wird
    (wer schwache Nerven hat, sollte das Video lieber nicht anklicken):


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