9.5.2011 - Und wieder werden Waldschützer vor Moskau misshandelt und verhaftet
Erneut sind am Sonntag in dem Moskauer Vorort Chimki mehrere Waldschützer vorübergehend verhaftet worden. Sie hätten sich an einer nicht genehmigten Demonstration beteiligt und außerdem Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet, so die Miliz. Unter den 25 vorübergehend Verhafteten befanden sich die Sprecherin der Waldschützer von Chimki, Jewgenija Tschirikowa, der Chef der liberalen „Jabloko“-Partei, Sergej Mitrochin und der Sprecher der „Linken Front“, Sergej Udalzow. Die Sonderpolizei „Omon“ sei bei der Verhaftung der Demonstranten sehr brutal vorgegangen, berichtet Mitrochin auf seinem Internet-Blog. Während der mehrstündigen Haft habe man nicht einmal ein Glas Wasser erhalten. Den Anwälten der Inhaftierten habe man Kontakt mit ihren Mandanten verweigert. Bereits im Bus seien die Verhafteten vor den Augen der anderen Demonstranten geschlagen worden, berichtet das Internet-Portal „kasparov.ru“. Deswegen hätten die Demonstrierenden zunächst versucht, den Bus mit den Verhafteten zu blockieren.
Trotz der Gewaltszenen sprechen die Umweltschützer von Erfolg: das Gericht von Chimki habe sich nicht den Vorwürfen der Polizei gegen die Umweltschützer angeschlossen und noch am Sonntag Abend deren Freilassung angeordnet. Außerdem sei es ihnen gelungen, die sonntäglichen Rodungen zu blockieren.
Die Freigelassenen machten sich sofort auf den Weg: während die einen zum Widerstandszeltlager fuhren, suchten andere die nächste Poliklinik zur Behandlung auf. Zuvor hatte man bereits Oleg Prudnikow von der „Linken Front“ mit einem Notarztwagen in eine Klinik zur stationären Aufnahme gebracht. Er hatte noch auf der Polizeistation aufgrund der zugefügten Schläge nach einem Arzt rufen lassen.
Unterdessen fordern sechs renommierte Umweltorganisationen, unter ihnen Greenpeace Russland, der WWF und die russische Union der Vogelschützer, unverzüglich den Rücktritt der Polizeiführung von Chimki.
Es könne nicht sein, dass Umweltschützer ständig mit Verhaftungen rechnen müssten, gleichzeitig die brutalen gewalttätigen Überfälle auf Umweltschützer nach wie vor nicht aufgeklärt seien.
Im November 2010 war der Waldschützer Kostja Fetisow aus Chimki brutal zugerichtet worden. Fetisow befindet sich immer noch in stationärer Behandlung. Vor drei Jahren wurde der Aktivist und Journalist Michail Beketow zusammengeschlagen. Er ist seitdem Invalide. Von den Tätern fehlt nach wie vor jede Spur.