Bernhard Clasen

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Aktuelles

25.4.2011 - Zaurbek Talchigow in Freiheit


Am vergangenen Freitag konnte der Tschetschene Zaurbek Talchigow nach acht einhalb Jahren das Gefängnis verlassen und zu seiner in Moskau lebenden Mutter zurückkehren. Der Tschetschene war am 23. Oktober 2002 am Moskauer Dubrowka-Theater verhaftet worden, nachdem dort 40 bis 50 bewaffnete tschetschenische Rebellen 850 Menschen, die der ausverkauften Vorstellung des Musicals „Nord-Ost“ beiwohnten, in ihre Gewalt gebracht hatten.

Zaurbek Zu dem Photo: Zaurbek Talchigow, seine Mutter und Swetlana Gannuschkina

Minuten, nachdem der tschetschenische Dumaabgeordnete Aslanbek Aslachanow von der Entführung erfahren hatte, rief er alle in Moskau lebenden Tschetschenen auf, zum Schauspielhaus zu kommen, einen Kreis um dieses Haus zu bilden und die Terroristen zur Aufgabe zu zwingen. Einer der wenigen, die diesem Aufruf gefolgt waren, war Zaurbek Talchigow. An der Dubrowka angekommen, musste Talchigow jedoch feststellen, dass sich eine Menschenkette um das Theater nicht bilden ließ, da nur wenige dem Aufruf des Abgeordneten gefolgt waren. Der Dumaabgeordnete Aslachanow bat Zaurabek Talchigow, er möge doch über ein Mobiltelefon Kontakt mit dem Chef der Entführer, Barajew, Kontakt aufnehmen. Auch niederländische Journalisten baten Talchigow, er möge doch die Terroristen per Mobiltelefon zur Aufgabe überreden. Unter den niederländischen Journalisten befand sich auch der russischstämmige Oleg Schirow, dessen Frau und Kind unter den Entführten waren. Sofort kam Talchigow diesen Bitten nach und nahm den direkten Telefonkontakt zu den Entführern auf. Die Vertreter der polizeilichen Einsatzkräfte waren bei diesen Telefonaten anwesend.

Nach Angaben von Menschenrechtlern der „Gesellschaft Memorial“ schienen die Gespräche von Talchigow erfolgversprechend zu werden. Gemeinsam mit einem Abgeordneten des ukrainischen Parlamentes war es ihm gelungen, den Terroristen die Zusage, die ukrainischen Geiseln freizulassen, abzuringen.

Doch dann mischten sich die Sicherheitskräfte ein, Talchigow wurde vom Inlandsgeheimdienst FSB festgenommen. Man warf ihm vor, Mittäter der Terroristen geworden zu sein. Obwohl alle Zeugen bei dem Gerichtsprozess am 20. Juni 2003 seine Unschuld bestätigt hatten, wurde der damals 25-jährige Zaurbek Talchigow der „Mittäterschaft des Terrorismus und der Entführung von Geiseln“ schuldig gesprochen und zu 8,5 Jahren verurteilt. Auch ein Berufungsgericht bestätigte wenig später das Urteil.

Nachdem Talchigow am 9. März 2004 eine Klage beim Europäischen Menschengerichtshof eingereicht hatte, wurden seine Haftbedingungen verschärft. Immer wieder landete er in der Strafzelle.

Talchigow war während des Prozesses und in der Haft von der Memorial-Aktivistin Swetlana Gannuschkina betreut worden.




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