Bernhard Clasen

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Aktuelles

19.4.2011 - Erneut Waldschützer am Moskauer Flughafen Scheremetjewo verhaftet und misshandelt


Erneut sind am Dienstag Umweltschützer des Moskauer Vorortes Chimki in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens Scheremetjewo verhaftet worden, weil sie sich den Rodungen des Waldes widersetzt hatten. Bei den Verhaftungen von zehn Aktivisten seien auch einige misshandelt worden, unter ihnen auch Sergej Udalzow, der Sprecher der „Linken Front“. Auch die Sprecherin der Waldschützer, Jewgenija Tschirikowa, ist verhaftet worden. Über Twitter konnte sie mitteilen, dass man sie bei der Polizei gesetzwidrig einer vollständigen Körperkontrolle unterzogen habe. Ihr Kollege Jaroslaw Nikitenko berichtet ebenfalls über Twitter von blauen Flecken im Gesicht und einem Arm. Derzeit warten Tschirikowa und die anderen Verhafteten auf einen Haftprüfungstermin.



Chimki Bereits am Samstag war es im Wald von Chimki erstmals in diesem Jahr zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und Angehörigen einer privaten Sicherheitsfirma gekommen, als die Umweltschützer am Samstag neue Rodungen verhindern wollten. Dies berichten russische Medien und „Greenpeace Russland“. Obwohl die nach einem Moratorium von Präsident Medwedew im August letzten Jahres gestoppten Rodungen der umstrittenen neuen Autobahn von Moskau nach St. Petersburg erst für Mai geplant sind, war ein erster Bautrupp im Eichenwald, unweit des Moskauer Flughafens „Scheremetjewo“, bereits am Samstag aufgetaucht. Innerhalb weniger Stunden waren 50 Umweltschützer vor Ort. Die Männer der Sicherheitsfirma gingen mit Gewalt gegen die Umweltschützer vor. Brutal hatten sie deren Sprecherin, Jewgenija Tschirikowa, in den Schnee geworfen. Als deren Mann zur Hilfe eilen wollte, hatte man ihm die Nase blutig geschlagen.

Seit über vier Jahren kämpfen die Umweltschützer von Chimki gegen die geplante Autobahn durch den Eichenwald von Chimki. Diese würde die ohnehin schon stark fragmentierte „grüne Lunge“ Moskaus noch weiter zerstören. Es gebe auch andere mögliche Trassenführungen, argumentieren die Umweltschützer, die ohne Rodungen möglich wären.

Doch bei der geplanten Autobahn geht es um sehr viel Geld. Allen Beteuerungen der Machthaber zum Trotz, es würde nur eine für die Straße erforderliche Schneise in den Wald geschlagen, eine kommerzielle Nutzung entlang der Trasse werde man nicht zulassen, haben die Umweltschützer herausgefunden, dass die Straße nur als Vorwand dient, wertvolles Land in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens Scheremetjewo einer kommerziellen Nutzung zuzuführen. Die Makler-Firma „Chimki-Land“ biete bereits Land an der geplanten Autobahn zum Verkauf für kommerzielle Nutzung an. Und bereits am 1. Februar 2011 hatte Russlands Präsident Medwedew bei einer Sitzung des Menschenrechtsrates zugegeben, dass „kommerzielle Interessen bestimmter Personen, die auf die Entscheidungsfindung eingewirkt hatten, Vorrang vor staatlichen Interessen gehabt hätten“. „Mit anderen Worten, da geht es um Korruption“ kommentiert Alexej Jaroschenko, bei Greenpeace Russland zuständig für die Waldprogramme, die Äußerung von Medwedew. Bekanntester russischer Investor des Projektes, so Jaroschenko, sei der Unternehmer Arkadij Rotenberg aus St. Petersburg. Dieser war lange Generaldirektor des Petersburger Judo-Clubs „Jawara-Newa“. Und da der Ehrenpräsident dieses Sportvereines Wladimir Putin sei, brauche man nicht darauf zu hoffen, dass ein Gesetz die kommerzielle Nutzung dieses Waldes für gesetzwidrig erklären werde.

In den nächsten Tagen planen Umweltschützer, Anarchisten, Linke und Oppositionspolitiker aus Chimki und Moskau täglich Mahnwachen, Blockaden und weitere Aktionen gegen die Rodungen.

ZU GUTER LETZT:
Gegen 22 Uhr Moskauer Zeit die gute Nachricht:
Alle Aktivisten sind vom Vorwurf des Widerstandes gegen Polizeibeamte freigesprochen worden und konnten inzwischen die Zellen wieder verlassen.

Photos der heutigen Rodungen findet ihr unter:

  • http://bb-mos.livejournal.com/696105.html

  • Ein Video von "Echo Moskau" zu der Demonstration der Waldschützer am 19.4.2011 und ihrer anschließenden Verhaftung hier.




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