2. Juni 2010: Vorzeitiges Ende der französischen Atommüllexporte nach Russland
Die russische föderale Atomagentur Rosatom und der französische Nuklear-Konzern AREVA wollen die französischen Atommüllexporte nach Russland bereits im Juli diesen Jahres vorzeitig einstellen. Dann soll auch der zunächst bis 2014 geschlossene Vertrag, der den Export von abgereichertem Uranhexafluorid von Frankreich nach Russland regelt, vorzeitig beendet werden. Dies berichtet die russische Sektion von „Greenpeace“ auf ihrer Internetseite.
Die Einstellung der französischen Atommüllexporte nach Russland, so „Greenpeace Russland“, sei ein Erfolg des gemeinsamen Kampfes russischer, französischer, niederländischer und deutscher Umweltschutzorganisationen. Begonnen habe dieser, so Greenpeace Russland, bereits 2004, als der Organisation geheime Dokumente über die Einfuhr von Atommüll aus Westeuropa nach Russland zugespielt worden seien.
Im vergangenen Herbst hatten die französische und russische Sektion von Greenpeace ihren gemeinsamen Kampf gegen die Atommüllexporte nach Russland intensiviert. Französische Greenpeace-Aktivisten hatten in Frankreich Züge mit Atommüll direkt an den Toren der AREVA-Werke blockiert, russische Umweltschützer den ankommenden Müll im Hafen von St. Petersburg gebührlich mit Protesten empfangen.
„Wir sind uns sicher, dass die Verträge nun auch wirklich vorzeitig gekündigt werden“ freut sich Wladimir Tschuprow, der Leiter des Energieprogrammes von Greenpeace Russland. „Wir hoffen, dass sich dieser Müll nicht mehr weiter in Sibirien anhäufen wird. Doch die Entsorgung des in den letzten Jahren nach Russland transportierten Atommülls bleibt ein ungelöstes Problem.“
Bereits Ende 2009 hatte die Firma URENCO, die jahrelang abgereichertes Uranhexafluorid aus der Urananreicherungsanlage in Gronau nach Russland transportiert hatte, diesen Export nach zunehmenden Protesten von deutschen und russischen Umweltschützern einstellen müssen.
Der deutsche und französische Atommüll war zum großen Teil in sog. „Geschlossenen Städten“ Russlands, wie Nowouralsk, verschwunden. Die noch unter Joseph Stalin errichteten „Geschlossenen Städte“ sind mit Stacheldraht umzäunt und dürfen nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Als die Umweltschützer Vladimir Slivjak und Raschid Alimow 2006 Gerüchten über einen Brand von radioaktivem Material in der geschlossenen Stadt Lesnoe nachgehen wollten, hatten sie zwar eine Besuchserlaubnis für die Stadt erhalten. Doch in der geschlossenen Stadt angekommen, mussten sie erst mal ihre Laptops, Kameras und Geigerzähler abgeben, durften nur mit dem Pressesprecher reden. Sogar die Entnahme von Bodenproben hatte man ihnen verboten.
Allein zehn geschlossene Städte unterstehen dem Atomkonzern „Rosatom“. Eine dieser Städte ist die 96.000 Einwohner zählende Stadt Nowouralsk. 70 km von Ekaterinburg entfernt war die Stadt die letzten Jahre Bestimmungsort von deutschem und französischem abgereichertem Uranhexafluorid.
Uranhexafluorid (UF6) ist in seiner abgereicherten Form ein Abfallprodukt, das in Urananreicherungsanlagen anfällt. Ab etwa 57 Grad Celsius bei normalem Luftdruck gasförmig, bildet es in Verbindung mit Wasser die hochätzende tödliche Flusssäure. Russische Umweltschützer berichten, dass der deutsche Atommüll in Nowouralsk zum großen Teil in Fässern unter freiem Himmel lagere. Einige Behälter würden bereits rosten. Ob dies stimmt, lässt sich nicht nachprüfen, denn wer die geschlossene Stadt Nowouralsk betritt, entscheidet Rosatom.