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4. September 2010: MEINE STASI-AKTE:
Irgendwer bei den Grünen hat mich an die Stasi verraten.
Nach zwei Jahren ungeduldigen Wartens war es am 2.9.2010 endlich soweit: ein 136-seitiger Auszug aus dem Stasi-Archiv über meine Person trudelte mit der Post ein. Auch wenn die Akte teilweise deswegen so umfangreich ist, weil einige Dokumente mehrfach in ihr sind, ist sie insgesamt sehr aufschlussreich.
Zur Vorgeschichte:
Vom 1. – 20. April 1985 saß ich in Baden-Württemberg in den Gefängnissen Heidelberg und Bruchsal 20 Tage Haft ab.
Ich war nach einer Blockade der US-Raketen in Mutlangen Anfang 1985 zu 20 Tagessätzen verurteilt worden.
Vor dem Haftantritt in Baden-Württemberg hatte ich mit vier weiteren Mitgliedern der westdeutschen Friedensbewegung, die sich alle zuvor an Blockaden gegen die US-Raketen beteiligt hatten, entschlossen, eine Aktion für die Unterstüzung der Friedensbewegung in der DDR durchzuführen.
Am 29. März 1985 entrollten wir auf dem Alexanderplatz ein Plakat mit der Aufschrift:
“Gegen die Verfolgung der Friedensbewegung in Ost und West”.
Wir wurden alle fünf vorläufig verhaftet, bei der Stasi verhört und am Abend wieder freigelassen.
Auch 25 Jahre nach der Aktion hat es diese Stasi-Akte in sich.
Was mich wirklich erstaunt hat an dieser Akte ist der Umstand, dass die Stasi genau informiert war, was ich vorhatte in Ost-Berlin. Dort war man offensichtlich in den Besitz eines Briefes gelangt, den ich vertraulich an das Büro von Petra Kelly geschickt hatte.
Auf der Grundlage dieses Briefes hatte man die zuständigen Stellen in der DDR über die geplante “Provokation” vier Wochen vor dieser Aktion informiert.
Ich habe vor, herauszufinden, wer da auf dem Weg von Petra Kellys Büro zur Pressestelle der grünen Bundestagsfraktion einen Umweg über den Kopierer gemacht und diese
Kopie anschließend an den Geheimdienst weitergeleitet hat.
Ich frage mich auch, wieso ich dann am 29. März 1985 problemlos über die Grenze von Westberlin nach Ostberlin gekommen bin. Glücklicherweise wurde da schlampig gearbeitet. Einem anderen Geheimdienst wäre so eine Schlamperei nicht passiert. Aber gut, hier geht es nicht um US-amerikanische oder russische Geheimgefängnisse.
PS: Zum Verständnis der Akten:
vor meiner Eheschließung in 1986 hieß ich "Friedrich" mit Nachnamen.
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Hier im weiteren können Sie folgende Dokumente meiner Stasi-Akte einsehen:
Das als “streng geheim” eingestufte Dokument über meinen Brief an die Grünen.
Mehrere Fahndungsersuchen vor der Aktion belegen: die Stasi wusste von meinen Plänen,
Fahndungsersuchen 1,
Fahndungsersuchen 2,
Fahndungsersuchen 3,
Fahndungsersuchen 4.
Fahndungsersuchen 5.
Die Sofortmeldungen unserer Verhaftung in Ostberlin.
Sofortmeldung 01
Sofortmeldung 02
Sofortmeldung 03
Das Protokoll der Verhaftung
Verhaftungsprotokoll
und der Festnahmebericht
Festnahmebericht
Der Befragungsbericht:
Seite 1
Seite 2
Die Belehrung kurz vor der Ausreise
Der Ausreisevermerk
Zweite Seite des Ausreisevermerkes
Meine anschliessende Einreisesperre in die DDR
Der streng geheime Suchauftrag
Zweite Seite des Suchauftrages
Auch zwei Jahre später, 1987, fixierte man meine Namensänderung, wenn auch mit einem kleinen Rechtschreibfehler.
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