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25.12.2007: Die fünf größten Umweltsünden der russischen Regierung in 2007
„Für die Umwelt in Russland war 2007 eines der schlechtesten Jahre dieses Jahrhunderts. Mit der Abschaffung der Pflicht zu Umweltgutachten bei großen Industrieprojekten gibt es praktisch keine Möglichkeit mehr, die Auswirkungen von industrieller Tätigkeit auf die Umwelt untersuchen zu lassen.
Die Schiffskatastrophe an der Kertschen-Meerenge Mitte November zeigte erneut, dass die staatlichen Strukturen Umweltkatastrophen größeren Ausmaßes nicht in den Griff zu bekommen scheinen.
Und so zeigen die Ereignisse von 2007 eines: die Umweltsituation und Gesundheit der Bevölkerung in Russland werden sich weiter verschlechtern.“ so Wladimir Slivjak, Co-Vorsitzender der russischen Umweltgruppe „Ecodefense“.
Die fünf Umweltsünden
1. Im April 2007 verabschiedete die russische Regierung einen Plan zum Ausbau der Stromproduktion : Dutzende von Atom-, Kohlekraftwerken und anderen ökologisch bedenklichen Kraftwerken sollen in den nächsten zwei Jahrzehnten gebaut werden. Dadurch wird der Ausstoß von schädlichen Stoffen in die Atmosphäre weiter zunehmen, der Atommüll wird zwei mal schneller wachsen als bisher erwartet (derzeit befinden sich in Russland 20 Tausend Tonnen abgebrannten radioaktiven Brennstoffs sowie Millionen Tonnen anderer radioaktiver Abfälle). Gleichzeitig gibt es in keinem Land eine Technologie der Lagerung von Atommüll, die für Mensch und Umwelt völlig sicher wäre. Allein im Frühjahr dieses Jahres fanden in Russland mehr als 40 Protestaktionen gegen den Bau von neuen Atomkraftwerken statt. Hätte man beim Ausbau der Stromproduktion das Gespräch mit der Umweltbewegung gesucht, ließen sich die negativen Seiten dieses Programmes weitestgehend neutralisieren. Fakt ist: Die Gesellschaft wird in ökologischen Entscheidungsprozessen vor vollendete Tatsachen gestellt. In der Folge werden die Umweltproteste zunehmen.
2. Mit der Weltklimakonferenz vom Dezember 2007 wollte man einen globalen Vertrag vorbereiten, der den Ausstoss von Treibhausgasen weltweit eindämmen werde. Russland hätte mit seiner kategorischen Weigerung, irgendwelche Pflichten zur Senkung des Austoßes schädlicher Stoffe nach 2012 auf sich zu nehmen, den Verhandlungsprozeß von 192 Staaten beinahe torpediert.
Bereits in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird unser Planet, so die UNO, am Rand einer Klimakatastrophe stehen, wenn es nicht gelingen sollte, den Ausstoß der Treibhausgase zu reduzieren.
Ab Mitte dieses Jahrhunderts wird es in Russland nicht mehr um wirtschaftliches Wachstum, sondern um unser Überleben gehen.
3. Mit einer Reihe von Gesetzesänderungen sind 2007 die bisher geforderten staatlichen Umweltgutachten abgeschafft worden. Und so kann man nun größere industrielle Projekte bauen, ohne vorab eine ökologische Expertise abwarten zu müssen. Und wieder wird die Gesellschaft bei ökologisch relevanten Entscheidungsprozessen vor vollendete Tatsachen gestellt. Mit der Abschaffung der staatlichen Umweltgutachten werden sich Umweltsituation und Gesundheit der Menschen in Russland weiter verschlechtern.
4. Im Jahr 2014 werden die Olympischen Spiele in Sotschi ausgetragen. Diese von den russischen Behörden forcierte Entscheidung kann für die dort vorhandenen Ökosysteme zu einem kolossalen Schaden führen. Und wer vor Ort lebt, muss den Verlust seines Eigentums befürchten. Durch die geplanten baulichen Maßnahmen in der Region Sotschi werden einzigartige Naturschutzgebiete zerstört.
5. Im November 2007 ereignete sich in der Kertschen-Meerenge im Asowschen Meer das größte Schiffsunglück Russlands im 21. Jahrhundert . Dreitausend Tonnen Petroprodukte gelangten in das Meer, eine große Fläche wurde versucht, tausende von Vögeln und anderen Tieren verendeten. Ungeachtet der Versprechungen hoher Beamter und des Einsatzes beträchtlicher staatlicher Ressourcen konnte man die Katastrophe nicht ganz in den Griff bekommen, ein Teil des Asowschen Meeres ist noch immer verseucht. Die russische Regierung hat nicht nur diese ökologische Katastrophe nicht in erforderlichem Maße bekämpft. Es wurden auch keine Schlussfolgerungen erarbeitet, wie man sich in Zukunft vor derartigen Ökatastrophen schützen könne. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Öltransporte auf dem Seeweg ist davon auszugehen, dass immer häufiger kleinere und größere Mengen Öl in die Meere auslaufen werden.
Übersetzung: Bernhard Clasen
Weitere Informationen unter:
007 / 495 / 7766281 oder 007 (903)2997584 – Wladimir Slivjak (englisch oder russisch)
Die Internetseite von "Ecodefense"
E-Mail von Ecodefense: ecodefense@gmail.com
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