Bernhard Clasen

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Aktuelles

11.11.2007. Steht Russland vor einer Streikwelle?

Ende November sollen die Streiks beginnen - und am 2. Dezember sind Parlamentswahlen


In Russland wird es möglicherweise Ende November zu einer Reihe von Streiks kommen. Grund sind die rasant gestiegenen Preise in dem Land. Löhne und Renten sind jedoch auf gleichem Niveau geblieben. Besonders inspiriert ist die Streikbewegung von den Streiks bei der deutschen Eisenbahn.

Die Gewerkschaft der russischen Eisenbahnangestellten plant für Anfang Dezember einen Streik. Den letzten größeren Streik hatte man 1998 durchgeführt. Witalij Scheltjakow, der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft berichtet, dass man bereits erste Vorbereitungen für einen Streik in die Wege geleitet habe.
Die Forderungen der russischen Eisenbahner: höheres Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.
Der Streik werde den Güterverkehr treffen, so Scheltjakow, Fahrgäste seien vom Streik nicht betroffen. Die Russische Eisenbahn werde als Folge des Streiks große Verluste einfahren, prophezeit Scheltjakow.
Dort bemüht man sich unterdessen, die Streikdrohungen gelassen zu sehen. So habe die Öffentlichkeitsabteilung verlauten lassen, dass man die Forderungen der Arbeiter kenne, diese jedoch nicht für nachvollziehbar halte. Außerdem, so die Russische Eisenbahn als Arbeitgeberin, dürfe es keinen Streik bei der russischen Eisenbahn geben, wäre dadurch doch eine wichtige Lebensader des Landes bedroht.
Offizielle Vertreter der Russischen Eisenbahn wollen keine Einschätzungen hinsichtlich möglicher Verluste im Falle eines Streiks sprechen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Bahn bei nur einer Stunde Streik bereits einen Ausfall von mehreren hundert Millionen Rubel hat.

Am 7. November hatten die Arbeiter im Ford-Werk der Stadt Vsevoloschsk gestreikt. Von Mitternacht bis 19:00 standen dort die Räder still. Um 19:00 musste der Streik beendet werden, da er von einem Gericht für rechtswidrig erklärt worden war.

Die Ford-Arbeiter denken nicht daran, angesichts der Entscheidung des Gerichtes aufzugeben. Ihr Gewerkschaftschef, Alexej Etmanow, kündigte bereits für den 20. November einen neuen Streik an. Die Hauptforderung: der Monatslohn muss auf das Siebenfache des Mindestlohnes angehoben werden. So wollen sich die Ford-Arbeiter einen Lohn von 28-30 Tausend Rubeln (ca. 800 Euro) festschreiben lassen.

Am 13. November wollen Sankt Petersburgs Hafenarbeiter in den Streik treten. Ihre Forderung: 30% mehr Lohn.
Die Arbeitgeber hatten der Gewerkschaft mitgeteilt, dass man versuchen werde, den Streik über ein Gericht verbieten zu lassen. Sollte ein Gericht den Streik tatsächlich verbieten, so der St. Petersburger Gewerkschaftsführer Alexander Moisejenko, werde man eben Dienst nach Vorschrift machen. Zunächst wolle man 3 Tage streiken, zeigen die Arbeitgeber jedoch kein Entgegenkommen, werde man wahrscheinlich den Streik verlängern, so Moisejenko.

Auch die Fahrer der Russischen Post planen für Ende November einen Streik. Die Fahrer der Russischen Post hatten bereits am 26. Oktober gestreikt. Doch ihre Forderung nach höherem Lohn und Bezahlung der Überstunden konnten sie nicht umsetzen. Drei Streikende mussten ihre Arbeitsstelle verlassen, vier weiteren droht ein ähnliches Schicksal.


Quelle: Die St. Petersburger Internetzeitung FONTANKA

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