• BERNHARD CLASEN • |
20.10.2007. Rede auf der Mönchengladbacher Fahrraddemonstration
Nur 6% der VerkehrsteilnehmerInnen in Mönchengladbach benutzen das Fahrrad, während es in der vergleichbaren Stadt Krefeld 12 %, in Münster über 30 % sind.
In 2006 wurde in Mönchengladbach/Rheydt an 16 Tagen der Feinstaubgrenzwert von 50 µg/m3 überschritten (35 Tage sind „erlaubt“). Tendenz steigend.
Nach einer EU-Studie sterben in der Europäischen Union jährlich 310.000 Menschen an Erkrankungen durch Feinstaubpartikel, davon 65.000 in Deutschland.
Die Radwege sind zum Teil in einem katastrophalen Zustand. Die Benutzung dieser Radwege stellt ein Sicherheitsrisiko dar.
Franz Alt hat anlässlich der Verleihung des Umweltpreises am 9.9. in Mönchengladbach gesagt:
„Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Wir wissen, was wir tun, aber wir tun nicht, was wir wissen.“
Dieser Satz trifft den Kern der Mönchengladbacher Verkehrspolitik.
Trotz Kenntnis über die Kohlendioxyd Problematik bleibt der Straßenausbau ungebremst.
Trotz Kenntnis über die gesundheitlichen Schäden von Feinstaubemissionen gibt es kein konkretes Vermeidungskonzept.
Trotz einer Schuldenlast, die Mönchengladbach in eine Handlungsunfähigkeit führt, werden Millionen für den Straßenbau bereitgestellt.
Der Hintergrund für diese unverantwortliche Politik ist die Oberzentrumsideologie.
Unter dieser Prämisse wird das Stadtzentrum Mönchengladbach Mitte ausgebaut, während Rheydt und die anderen Stadtbezirke auf der Standspur verbleiben.
Unter dieser Prämisse wird eine Autovorrangpolitik betrieben, bei dem der ÖPNV auf der Strecke bleibt.
Unter dieser Prämisse wird noch mehr Verkehr aus dem Umland und den Bezirken ins Zentrum geleitet, werden Dienstleistungsbereiche konzentriert anstatt sie zu dezentralisieren.
Schon jetzt hat die Stadt kein Geld, um die vorhandenen Straßen zu unterhalten. Trotzdem wird im Bereich neue City Ost und ECE eine Straßenplanung in einer Größenordnung von 30 Millionen Euro betrieben, bei der Radwege erst gar nicht vorkommen.
Der in der Diskussion befindliche Straßenverkehrsplan steht unter der Prämisse, mit dem Auto ohne Stau auf dem schnellsten Weg jeden Punkt in der Stadt erreichen zu können.
Das ist Autovorrangpolitik pur!
Das ist die Negierung dessen, was wir über den drohenden Klimawandel, über die drohende Klimakatastrophe wissen.
Was wir brauchen ist ein anderes Mobilitätskonzept unter der Prämisse der Nachhaltigkeit.
Angesichts des drohenden Klimawandels und der drohenden Klimakatastrophe setzt Die Linke der Oberzentrumsideologie ein Mobilitätskonzept entgegen, das die Prinzipien der Nachhaltigkeit berücksichtigt.
Ein Konzept, das Mobilität als Möglichkeit versteht, alle zur Befriedigung der Grundbedürfnisse notwendigen Wege wie Einkauf, Arbeit, Behörden, Bildung, Kindereinrichtungen, Gesundheit, Kultur, Freizeit usw. unabhängig von Verkehrsmitteln innerhalb kurzer Zeit zurücklegen zu können.
Wir fordern:
1. Systematischer Ausbau des Radwegenetzes. Radstationen an allen Bahnhöfen. Förderung des Fahrradverkehres durch kommunale Betriebe.
2. Vorrang für den ÖPNV, Ausbau des ÖPNV: kürzere Taktzeiten, mehr Abendverbindungen, direkte Verbindung der Außenbezirke mit den beiden Zentren.
3. Verzicht auf ECE, statt dessen eine Stärkung der beiden Zentren und der Stadtbezirke. Damit stünden auch die 14 Millionen für den geplanten Tunnelbau Steinmetzstrasse für ein ökologisches Mobilitätskonzept zur Verfügung
4. Verzicht auf die Investitionen von 15 Millionen Euro durch die NVV für den defizitären Flughafen. Die frei werdenden Gelder stehen dann für ein ökologisches Mobilitätskonzept zur Verfügung.
5. Verzicht auf die L 19. Die angebliche Entlastung von Stadtbezirken ist eine zusätzliche Belastung der Umwelt.
Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit.
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• BERNHARD CLASEN •
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